Der Energieverbrauch wird 2026 spürbar sinken
Jahresprognose der AG Energiebilanzen – Deutlicher Einfluss hoher Preise
Der Energieverbrauch in Deutschland wird 2026 mit großer Wahrscheinlichkeit spürbar zurückgehen. Die Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen (AG Energiebilanzen) rechnet mit einer Minderung um knapp 3 % auf 10.356 PJ oder 353,4 Mio. t SKE gegenüber dem Vorjahr. Die von der AG Energiebilanzen erstellte Jahresprognose basiert auf den vorliegenden Daten für die ersten neun Monate des laufenden Jahres. Für das Gesamtjahr erwartet die AG Energiebilanzen einen Rückgang der energiebedingten CO₂-Emissionen um knapp 4 %. Einen wesentlichen Anteil am Rückgang des Energieverbrauchs in diesem Jahr haben die verhaltene Wirtschaftsentwicklung und der kräftige Anstieg der Energiepreise. Von der Witterung und sonstigen Einflussfaktoren gingen dagegen nur schwache Wirkungen auf den Energieverbrauch aus.
Nach vorläufigen Berechnungen der AG Energiebilanzen erreichte der inländische Primärenergieverbrauch in den ersten drei Quartalen des laufenden Jahres eine Höhe von 7.470 PJ beziehungsweise 254,9 Mio. t SKE. Das waren 3,6 % weniger als im selben Zeitraum des Vorjahres. Die Verbrauchsentwicklung war gekennzeichnet durch einen gesunkenen Mineralölabsatz und einen weiteren Rückgang des Beitrags der Braunkohle. Dagegen kam es beim Erdgas zu einem leichten und bei den erneuerbaren Energien sowie der Steinkohle zu einem stärkeren Verbrauchsanstieg.

Der Verbrauch von Mineralöl nahm in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres um mehr als 12 % ab. Der Verbrauch von Ottokraftstoff sank um 4 %, die Nachfrage nach Dieselkraftstoff verminderte sich um mehr als 9 %. Der Absatz von Flugkraftstoff verringerte sich um 3 % und die Lieferung von Rohbenzin an die chemische Industrie sank um rund 5 %. Der Absatz von leichtem Heizöl verzeichnete einen Absatzeinbruch und verminderte sich um mehr als 38 %, weil Verbraucher aufgrund hoher Preise ihre Bestände abgebaut und nur geringe Mengen nachgekauft haben.
Der Erdgasverbrauch verzeichnete in den ersten drei Quartalen des laufenden Jahres ein leichtes Plus von 0,8 %. Die aktuelle Verbrauchsentwicklung wurde vor allem durch die im Vergleich zum Vorjahreszeitraum niedrigen Temperaturen in den beiden ersten Quartalen des Jahres 2026 geprägt.
Der Verbrauch von Steinkohle stieg in den ersten neun Monaten insgesamt um über 8 %. Der Einsatz in Kraftwerken zur Stromerzeugung verzeichnete einen Zuwachs um 7,2 %. Der Absatz an die Eisen- und Stahlindustrie um erhöhte sich um gut 1 %.
Der Verbrauch von Braunkohle verzeichnete eine Abnahme um 1,7 %. Im Zeitraum von Januar bis September wurde in Deutschland 1,5 % weniger Braunkohle gefördert als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Die Lieferungen an Kraftwerke der öffentlichen Versorgung gingen um 0,9 % zurück. Das Gesamtergebnis spiegelt die zunehmend flexible Anpassung der Braunkohleverstromung an den jeweiligen Strombedarf bei wechselnder Einspeisung von Wind- und Solarstrom wider.
In den ersten neun Monaten des Jahres 2026 verzeichnete der Stromaustausch mit den Nachbarländern einen leichten Exportüberschuss. Es flossen 1,9 Mrd. kWh mehr Strom ins Ausland als von dort bezogen wurde. Im Vergleichszeitraum der beiden Vorjahre hatte der Stromaustausch noch deutliche Importüberschüsse aufgewiesen. Die Stromexporte nahmen in Summe um 18,2 % auf 50,1 Mrd. kWh zu, die Stromimporte gingen um 16,4 % auf 48,2 Mrd. kWh zurück.
Der Beitrag der erneuerbaren Energien lag in den ersten drei Quartalen 2026 insgesamt um 5,7 % über dem Ergebnis des Vorjahreszeitraumes. Gegenüber der windschwachen Vergleichsperiode des Vorjahres stieg die Stromerzeugung aus Windkraft um 14 %. Die Solarstromerzeugung erhöhte ihren Beitrag um 12 %. Während der Verbrauch erneuerbarer Energien für Wärmezwecke nur leicht zunahm, verzeichnete die mit elektrischen Wärmepumpen nutzbar gemachte Umweltwärme und die oberflächennahe Geothermie ein Plus von 19 %. Bei der Wasserkraft gab es witterungsbedingt ein Minus von 24 %. Im Verkehrssektor erhöhte sich insbesondere der Verbrauch von biogenen Dieselkraftstoffen infolge der novellierten Treibhausgasminderungsquote um 39 %. (AG Energiebilanzen/MRG)


