Fraunhofer IEG

  • Grubenwasser für die Wärmewende – Fraunhofer IEG trifft gezielt Bergwerk in 120 Metern Tiefe

    Ehemalige Bergwerke könnten künftig einen wichtigen Beitrag zur Wärme- und Kälteversorgung von Wohngebäuden und Gewerbeeinheiten leisten. Das Fraunhofer IEG hat in Bochum nun vier Bohrungen in ein ehemaliges, heute geflutetes Steinkohlenbergwerk im Rahmen des EU-Projekts PUSH-IT erfolgreich abgeschlossen. Mit seiner mobilen Bohranlage BO.REX traf das Team in rund 120 Metern Tiefe jeweils einen nur wenige Meter breiten Stollen: Zielgenaues Bohren ist also auch mit Bohranlagen der oberflächennahen Geothermie kostengünstig möglich. Die Bohrungen zeigen, dass sich geflutete Bergwerke mit konventioneller Geothermie-Bohrtechnik erschließen lassen und damit als Wärmequelle oder Wärmespeicher für Wohnungen, Rechenzentren und anderes Gewerbe nutzbar werden können.

    »Der Untergrund ist eine bisher zu wenig beachtete Ressource in der Wärmetransformation. Das Projekt hat gezeigt, dass sich Grubenwasser auch in nicht mehr zugänglichen Bergwerken mit konventioneller Bohrtechnik erschließen lässt. Statt aufwendiger Richtbohrtechnik aus der Erdöl- und Erdgas-Industrie können wir auch mit mittelgroßen Anlagen Zugang zu gefluteten Bergwerken schaffen«, erläutert Florian Hahn, Leiter des Kompetenzzentrums »Bergbaufolgenutzung« am Fraunhofer IEG. Auch wenn es natürliche geologische Formationen gibt, die genug Wasser für Wärmeanwendungen führen, bieten Bergwerke in der Regel höhere Förderraten. Zudem liegen sie oft in urbanen Gebieten, also dort, wo die Wärme zum Heizen oder als Prozesswärme gebraucht wird. Aber auch zur Langzeit-Speicherung von Wärme, etwa aus Rechenzentren sind Grubenwasserspeicher bestens geeignet, nach dem Motto »Heizen im Winter, Kühlen im Sommer«.

    »Wir erreichen nun selbst schmale Grubenhohlräume mit einer mobilen Anlage zuverlässig«, sagt Jonas Güldenhaupt, Leiter des Bohrbetriebs am Fraunhofer IEG. »Die Möglichkeit, geflutete Bergwerke wieder zugänglich zu machen, eröffnet Projektentwicklern und Betrieben neue Wege, Grubenwasser für ihre Wärme- oder Kälteversorgung zu erschließen. Wir verbinden Wissen über den Untergrund mit eigener Bohr- und Messtechnik, um komplexe Fragestellungen im Untergrund zu lösen.«

    Die hohe Zielgenauigkeit mit einer mittelgroßen Anlage ist besonders bemerkenswert. In rund 120 Metern Tiefe wurden nur wenige Meter breite bergbauliche Hohlräume getroffen. Fraunhofer IEG plante vier Bohrungen und führte sie mit der mobilen Bohranlage BO.REX aus (Bochum Research and Exploration Drilling Rig). Trotz einer Zugkraft von 40 Tonnen und einer Masthöhe von über 12 Metern ist die Bohranlage nur 2,5 Meter breit und erlaubt dadurch den zielgenauen Einsatz auch auf kleinen Freiflächen zwischen Gebäuden. Speziell angepasste Beschwerungsgewichte am Bohrgestänge, genaue Untergrundkenntnisse und exakte Vorplanung halfen, den Bohrmeißel zum gefluteten Bergwerksbereich in die Tiefe zu führen.

    Ehemalige Bergwerke gelten bisher vor allem als Ewigkeitsaufgabe des Bergbaus. Die Bohrungen zeigen, dass ehemalige Bergwerke künftig Teil der Energieinfrastruktur für die Wärmewende sein können. Die Möglichkeit geflutete Bergwerke über Bohrungen zu erschließen, kann für Stadtwerke, Kommunen, Bergwerkseigentümer und Projektentwickler eine wichtige Option zur Wärme- und Kälteversorgung sein.

    Alte Bergwerke füllen sich nach dem Ende der bergbaulichen Aktivitäten mit Wasser. Grubenwasser kann viel Wärmeenergie speichern: Geflutete Bergwerke können so eine große »Geobatterie« darstellen. Im Projekt PUSH-IT prüfen Forschende, wie sich ein Bergwerk mit wenig Aufwand als Speicher für überschüssige Wärme erschließen und nutzen lässt. Die Bohrungen schaffen Zugänge zum Grubenwasserkörper, über diese kann das Wasser gefördert und nach seiner Nutzung wieder an anderer Stelle eingeleitet werden.

    Stefan Klein, Projektleiter des Bochumer PUSH-IT-Projekts, hat mit seinem Team neuste Mess-Sensoren in den Bohrungen installiert und mit einer Unterwasserdrohne die bergbaulichen Hohlräume untersucht. Die Aufnahmen zeigen typische klare und trübe Wasserschichten sowie die seitlichen Felswände und belegen, dass die Bohrungen wie geplant in die richtigen Hohlräume eingedrungen sind. Alle Ergebnisse der Untersuchungen sollen für weitere angewandte Forschung am Standort genutzt werden. Die Bohrungen bilden auch die Grundlage für den kommenden Speichertest. Er soll zeigen, welche thermische Speicherkapazität der Standort erreichen kann. Erst danach lässt sich bewerten, ob und wie das Bergwerk künftig als Wärmequelle oder Wärmespeicher für lokale Nutzer wie Rechenzentren oder Gebäude im Bochumer Süden dienen kann und ob Investitionen in obertägige Infrastruktur wirtschaftlich sind. (Fraunhofer IEG/MRG)

  • Grubenwasser Geothermie – Fraunhofer IEG und Technische Hochschule Georg Agricola bündeln Kräfte

    Bezahlbare und verlässliche Wärme für Haushalte, Kommunen und Unternehmen: Grubenwasser könnte sie liefern. Bergbauregionen wie das Ruhrgebiet könnten so aus Ewigkeitslasten einen ewigen Nutzen ziehen. Ihre angewandte Forschung dahin wollen Fraunhofer IEG und das Forschungszentrum Nachbergbau der Technischen Hochschule Georg Agricola (FZN) weiter verzahnen. Die Partner wollen Grubenwasser als Wärmequelle entwickeln, Projekte vorbereiten sowie Nachwuchskräfte fördern und unterschrieben nun ein entsprechendes Memorandum of Understanding.

    »Ehemalige Bergbau-Infrastrukturen können für die Wärmewende einen relevanten Beitrag liefern. Zusammen mit dem Forschungszentrum Nachbergbau wollen wir angewandt forschen und aus wissenschaftlichen Erkenntnissen konkrete Lösungen für die Praxis entwickeln. Gerade Grubenwasser bietet die Chance, vorhandene Strukturen neu zu denken und für eine zukunftsfeste Wärmeversorgung zu erschließen«, sagt Dr. Frank Sachse, Leiter Innovation und Transfer am Fraunhofer IEG.

    Die Partner wollen insbesondere untersuchen, wie sich Strukturen aus der Zeit des Bergbaus wirksam für die Energiewende nachnutzen lassen. Zum Beispiel mit Grubenwasser gefüllte Zechen, die als Quelle oder Speicher für Wärme- bzw. Kälte dienen können. Die Zusammenarbeit berücksichtigt neben technischen Fragen auch ökologische, rechtliche und wirtschaftliche Aspekte.

    Das Fraunhofer IEG bringt seine anwendungsnahe Forschung zur Transformation von Energiesystemen ein. Dazu zählen Sektorkopplung, Wärmepumpen und nicht zuletzt Geotechnologien. Das FZN ergänzt diese Kompetenzen mit Forschung und Lehre zum Nachbergbau. Es beschäftigt sich unter anderem mit Wasser, Umweltbeobachtung und der Entwicklung ehemaliger Industrieregionen.

    »Die Zusammenarbeit verbindet komplementäre Stärken: Die Hochschule verfügt über exzellente Kompetenzen in der Ausbildung und Forschung rund um Bergbau, Nachbergbau und Georessourcen, während das Fraunhofer IEG darauf spezialisiert ist, neue Technologien gemeinsam mit Wirtschaft und öffentlicher Hand in die Anwendung zu bringen. Dadurch können Forschungsergebnisse deutlich schneller in die Praxis überführt werden«, erläutert Dr. Florian Hahn, Leiter des Kompetenzzentrums Bergbaufolgenutzung am Fraunhofer IEG.

    Die Partner wollen nun gemeinsame Forschungs- und Innovations-Projekte anstoßen. Aus den Ergebnissen der Zusammenarbeit können Leitfäden oder Standards zur Grubenwassergeothermie entstehen. Kommunen, Energieversorger und weitere Akteure in den ehemaligen Bergbauregionen Deutschlands können langfristig von Lösungen profitieren, die vorhandene Infrastruktur mit neuen Aufgaben für die Energieversorgung verbinden. Junge Fachkräfte sollen durch Abschlussarbeiten, Praktika, Lehre und Exkursionen früh an praxisnahe Fragen herangeführt werden.

    Für das Ruhrgebiet und alle ehemaligen Bergbauregionen ist dies eine große Chance. Die Regionen verfügen über einzigartige Erfahrungen und Infrastrukturen aus dem Bergbau, die heute für die Energiewende genutzt werden können. Gemeinsam können Forschung Energieversorger innovative Lösungen entwickeln, die den Strukturwandel aktiv gestalten, neue Wertschöpfung schaffen und die Regionen Standorte für Energieinfrastrukturen und Geotechnologien stärken. (Fraunhofer IEG/MRG)

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