Wismut GmbH

  • Vom Bergbauerbe zur Rohstoffzukunft: Wismut und SAXORE vereinbaren Zusammenarbeit in Pöhla

    Die Wismut GmbH und die SAXORE Bergbau GmbH wollen künftig beim geplanten Rohstoffprojekt Tellerhäuser im Erzgebirge zusammenarbeiten. Dazu haben beide Unternehmen eine Absichtserklärung unterzeichnet. Ziel ist es, vorhandenes bergbauliches Wissen, Erfahrungen und Infrastrukturpotenziale zu prüfen und für die weitere Entwicklung des Projekts nutzbar zu machen.

    Das geplante Bergwerk Tellerhäuser liegt im Bewilligungsfeld „Rittersgrün“ der SAXORE Bergbau GmbH. Dieses überlagert sich in Teilen mit dem Bergwerkseigentum der Wismut GmbH, zu dem das ehemalige Uranbergwerk Pöhla gehört. Die Wismut befindet sich dort seit rund 35 Jahren in der bergrechtlichen Nachsorge. Die übertägige Sanierung ist abgeschlossen, die Grubenwasserbehandlung erfolgt weiterhin in der Wasserbehandlungsanlage Pöhla.

    Mit der Absichtserklärung vereinbaren die Unternehmen einen strukturierten Austausch und die Prüfung konkreter Kooperationsmöglichkeiten. Im Mittelpunkt stehen dabei fünf Handlungsfelder.

    Im Bereich der sich überlagernden Bergbauberechtigungen wollen Wismut und SAXORE ihre Aktivitäten koordinieren und sich zu bergrechtlichen Fragestellungen austauschen. Dazu gehören auch Abstimmungen im Zusammenhang mit dem Sächsischen Oberbergamt. Die Partner wollen prüfen, ob vorhandene bergbauliche Infrastruktur künftig gemeinsam genutzt werden könnte und welche technischen und wirtschaftlichen Potenziale sich daraus ergeben. Auch Möglichkeiten einer Zusammenarbeit beim Wassermanagement sollen untersucht werden.

    Die jahrzehntelangen Erfahrungen der Wismut am Standort Pöhla und die aktuellen Erkenntnisse aus der Exploration und Projektentwicklung von SAXORE bilden eine weitere Grundlage der Zusammenarbeit. Vorgesehen ist unter Beachtung der gesetzlichen und vertraglichen Vorgaben insbesondere der Austausch geologischer Informationen und fachlichen Wissens.

    Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Entwicklung von Konzepten für die spätere Stilllegung und Nachsorge des geplanten Bergwerks. Dabei sollen langfristige Umwelt- und Sicherheitsanforderungen bereits bei der Entwicklung des Projekts berücksichtigt werden.

    Dr. Michael Paul, Technischer Geschäftsführer der Wismut GmbH: „Unsere Erfahrung aus mehr als drei Jahrzehnten Sanierung und Nachsorge zeigt: Mit dem Ende eines Bergwerks darf man sich nicht erst beschäftigen, wenn der Abbau abgeschlossen ist. Verantwortungsvolle Nachsorge beginnt bereits bei der Planung. Diese Erfahrung und unser Wissen über komplexe Bergbau- und Umweltfragen wollen wir in die Zusammenarbeit mit SAXORE einbringen.“

    Die Zusammenarbeit ist zunächst für einen Zeitraum von 2,5 Jahren vorgesehen. In dieser Pilotphase sollen die Möglichkeiten und Grenzen einer strukturierten Zusammenarbeit ausgelotet und konkrete Kooperationsansätze entwickelt werden.

    Matthias Faust, Geschäftsführer der SAXORE Bergbau GmbH: „Rohstoffsicherheit beginnt vor Ort. Mit dieser Kooperation legen wir die Grundlage, um heimische Rohstoffe verantwortungsvoll zu fördern und einen Beitrag zur Versorgungssicherheit Deutschlands und Europas zu leisten. Mit der Wismut gewinnen wir einen Partner mit einzigartigem Wissen über den Bergbau im Erzgebirge. Niemand kennt die Untertageinfrastruktur, die Wasserhaltung und die geologischen Besonderheiten unserer Region so genau. Dieser Wissensschatz ist für die verantwortungsvolle Entwicklung von Tellerhäuser von unschätzbarem Wert.“

    Die Absichtserklärung stellt keine Genehmigung für die Entwicklung oder den Betrieb des neuen Bergwerks dar. Die für das Projekt Tellerhäuser erforderlichen berg-, umwelt- und wasserrechtlichen sowie weiteren öffentlich-rechtlichen Verfahren bleiben davon unberührt. Entscheidungen darüber obliegen ausschließlich den jeweils zuständigen Behörden.

    Auch die Aufgaben und Verpflichtungen der Wismut bei der Sicherung und Nachsorge ihrer bergbaulichen Hinterlassenschaften bleiben von der Zusammenarbeit unberührt.

  • Mikroorganismen als Helfer bei der Sanierung ehemaliger Urangruben

    Winzige Mikroorganismen könnten künftig eine wichtige Rolle bei der Sanierung ehemaliger Urangruben spielen. Umweltingenieure untersuchen seit vielen Jahren, wie sich natürliche Prozesse nutzen lassen, um Uran im Grubenwasser dauerhaft zu binden und so eine Ausbreitung des Schadstoffs zu verhindern.

    Bekannt ist, dass Mikroorganismen in nahezu allen Umweltbereichen vorkommen. Sie passen ihren Stoffwechsel an ihre Umgebung an und können dadurch chemische Stoffe verändern. Diesen Effekt machen sich Umweltwissenschaftler zunutze: Durch die gezielte Zugabe bestimmter Nährstoffe lässt sich die Aktivität der Mikroorganismen beeinflussen. Ziel ist es, gelöstes Uran in eine schwer lösliche Form umzuwandeln, sodass es im Gestein verbleibt und nicht mehr mit dem Wasser transportiert wird.

    Die Wismut untersucht diese Methode seit rund 20 Jahren. Dabei stehen zwei Fragen im Mittelpunkt: Lässt sich die Bildung stabiler Uranminerale gezielt fördern? Und bleiben diese Mineralien auch über lange Zeit erhalten, wenn die Behandlung beendet ist?

    Am Standort Königstein wird die entwickelte Methode bereits praktisch angewendet. Dort kommt eine Injektionsanlage zum Einsatz, mit der geeignete Stoffe in das geflutete Bergwerk eingebracht werden, um die gewünschten mikrobiellen Prozesse anzuregen. Gleichzeitig wird untersucht, wie dauerhaft die gebildeten Uranminerale sind. Frühere Versuche an anderen Standorten weltweit haben gezeigt, dass sich gebundenes Uran unter bestimmten Bedingungen später wieder lösen kann.

    Neue Erkenntnisse liefert nun eine gemeinsame Studie des Helmholtz-Zentrums Dresden-Rossendorf (HZDR) und der Wismut, die in der renommierten Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlicht wurde. Im Labor untersuchten die Forschenden Grubenwasser aus Schlema. Durch die Zugabe von Glycerol, einer leicht verfügbaren Kohlenstoffquelle für Mikroorganismen, konnten rund 95 Prozent des zuvor gelösten Urans in festen Mineralen gebunden werden.

    Besonders bemerkenswert ist, dass diese Uranverbindungen auch nach einer vierwöchigen Behandlung unter sauerstoffreichen Bedingungen weitgehend stabil blieben. Mithilfe hochmoderner Röntgenuntersuchungen konnten die Forschenden nachweisen, dass neben den erwarteten Uranmineralen auch bisher unbekannte Uranverbindungen entstanden sind. Diese könnten entscheidend dazu beitragen, dass das gebundene Uran widerstandsfähiger gegenüber einer erneuten Freisetzung ist.

    Warum diese Verbindungen so stabil sind, ist bislang noch nicht vollständig geklärt. Weitere Untersuchungen sollen nun zeigen, ob sich die Ergebnisse bestätigen lassen.

    Beproben von Versuchsansätzen in der Anaerob-Box im Wassertechnikum des Wismut-Labors Seelingstädt. Foto: Wismut GmbH

    Für die Wismut ist diese Forschung Teil eines langfristigen Engagements. Die Sanierung der ehemaligen Uranbergbaustandorte ist kein abgeschlossener Akt, sondern ein fortlaufender Prozess, der kontinuierlich neue wissenschaftliche Erkenntnisse erfordert. Deshalb arbeitet die Wismut gemeinsam mit Forschungseinrichtungen daran, die natürlichen Abläufe im Untergrund immer besser zu verstehen und innovative Verfahren für die Sanierung weiterzuentwickeln. Mit ihrer Forschung verfolgt die Wismut das Ziel die natürlichen Reinigungsprozesse im Untergrund zu beschleunigen. Damit sollen, die über viele Jahrzehnte andauernden langfristigen Belastungen der ehemaligen Uranbergbaustandorte für kommende Generationen so weit wie möglich reduziert werden.

    Weitere Informationen:
    Wismut GmbH
    www.wismut.de

  • Rückblick auf ein erfolgreiches Bergbausymposium WISSYM 2023

    Unter dem Motto “Sanierungsbergbau neu denken – Innovative Ansätze auf dem Weg zur Nachhaltigkeit” ist das internationale Bergbausymposium WISSYM 2023 erfolgreich zu Ende gegangen. Vom 25. bis 28. September 2023 diskutierten in Dresden 200 Teilnehmende aus 15 Ländern zu Fragen von Innovation, Technologieentwicklung und Ressourceneffizienz sowie zum hochaktuellen Thema der öffentlichen Wahrnehmung und Akzeptanz des Bergbaus innerhalb der Gesellschaft.

    Das Startsignal zur „Einfahrt“ in das Bergbausymposium mittels einer Schachtglocke gab Michael Paul, Geschäftsführer der Wismut GmbH, Chemnitz, unter Anwesenheit von Olaf Alisch, Verband Bergbau, Geologie und Umwelt e. V. (VBGU), Berlin, der Bürgermeisterin der Stadt Dresden, Eva Jähnigen, und Prof. Bernhard Cramer, Sächsisches Oberbergamt, Freiberg (Bild 1). Videogrußbotschaften erreichten die Teilnehmenden vom Parlamentarischen Staatssekretär beim Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK), Michael Kellner, sowie vom Thüringischen Ministerpräsidenten Bodo Ramelow.

    Zum wiederholten Mal wurde das Symposium mit einem Exkursionstag eingeleitet. Die Exkursionen führten die Teilnehmenden zu den Wismut-Standorten nach Crossen, Aue sowie Königstein/Dresden-Gittersee. In einer weiteren Exkursion konnten sich die Bergbauexperten in der tschechischen Stadt Most von der erfolgreichen Sanierung eines ehemaligen Braunkohlenstandorts hin zu einem Erholungsgebiet überzeugen. Die Exkursionen bildeten die Grundlage für den Erfahrungsaustausch an den drei nachfolgenden Konferenztagen.

    Die Wismut konnte zahlreiche renommierte Fachleute für die Veranstaltung gewinnen. In 35 Vorträgen an dem dreitägigen Vortragsprogramm tauschten sich nationale und internationale Experten aus Politik, Industrie, Wissenschaft und Verwaltung über Erfahrungen und Innovationen in der Bergbausanierung aus.

    Ein weiterer Höhepunkt des Symposiums war die Podiumsdiskussion, in welcher der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer mit fünf internationalen Fachleuten des Bergbausektors zum Thema „Bergbau für die globale „grüne“ Transformation – aber nicht vor meiner Haustür!“, diskutierte.

    Das 5. Internationale Bergbausymposium WISSYM 2023 bot erneut nationalen und internationalen Bergbausanierern, Bergbautreibenden, Wissenschaftlern, Vertretern von Behörden und Verwaltung sowie Ingenieurbüros eine Plattform zum Austausch und zur Diskussion von Erfahrungen in der Bergbausanierung. (Wismut/Si.)

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