Home » Archiv Kurznachrichten » Kurznachrichten 2020 » Kurznachrichten Ausgabe 04_2020 » RVR übernimmt schrittweise zwanzig Halden von der RAG
Bild 1. Symbolische Übergabe der 20 Bergehalden durch den RAG-Vorstand an den RVR: Nina Frense, RVR-Beigeordnete, Peter Schrimpf, RAG-Vorstandsvorsitzender, Karola Geiß-Netthöfel, RVR-Regionaldirektorin, Michael Kalthoff, Vorstand Finanzen der RAG (v. l. n. r.). Quelle: RAG

RVR übernimmt schrittweise zwanzig Halden von der RAG

Die RAG Aktiengesellschaft, Essen, gibt ihre Halden in neue Hände: Der Regionalverband Ruhr (RVR) übernimmt zwanzig Landschaftsbauwerke mit einer Gesamtfläche von 1.149 ha (Bild 1). Diese sollen hauptsächlich als Natur- und Erlebnisräume ausgebaut werden.

„Die Berge der Metropole Ruhr sind mehr als Aussichtspunkte. Als Landmarken sind sie Identifikationspunkte in der Städte-landschaft und durch ihre vielfältigen Inszenierungen ein Alleinstellungsmerkmal dieser Region. Der Erwerb weiterer Halden bietet uns als größtem Haldenbesitzer im Ruhrgebiet die Chance, die räumliche Entwicklung unserer Region maßgeblich mitzugestalten“, so RVR-Regionaldirektorin Karola Geiß-Netthöfel. Die RAG steht zu ihrem Wort, den Nachbergbau im Sinn der Menschen in den Bergbauregionen nachhaltig zu gestalten, so Peter Schrimpf, Vorstandsvorsitzender der RAG: „Unsere Flächen können nicht nur dazu beitragen, neue Arbeitsplätze zu schaffen, sondern auch das Revier attraktiver zu machen. Dazu zählen natürlich auch unsere Halden. Die öffentliche Nutzung können wir jedoch auf Dauer nicht sicherstellen. Dafür ist der RVR eindeutig besser geeignet.“

„Die Bergehalden wollen wir in die grüne Infrastruktur der Metropole Ruhr einbetten und für die Menschen im Ruhrgebiet und Touristen öffnen. Sie sind dabei nicht nur schmückendes Beiwerk, sondern gleichzeitig wichtiger Baustein zur Gestaltung einer klimaschonenden Region“, ergänzt RVR-Beigeordnete Nina Frense.  Einige der neu zu erwerbenden Halden sind bereits öffentlich zugänglich und werden zu Freizeit- und Tourismuszwecken, zur Naherholung oder Energiegewinnung genutzt – im Jahr 2021 sind es bereits neun Halden mit einer Fläche von 380 ha. Das sind die Halden Lohberg Nord (Dinslaken), Scholver Feld (Gelsenkirchen), Rungenberg (Gelsenkirchen), Mottbruch (Gladbeck), Graf Moltke 2 (Gladbeck), Elsa-Brändström-Straße (Lünen/Dortmund), Blumenthal 8 (Oer-Erkenschwick), Humbert (Hamm) und Groppenbruch (Dortmund).

Andere Halden stehen noch unter Bergaufsicht und werden den Menschen im Ruhrgebiet nach und nach zugänglich gemacht. Die Abschlussbetriebsplanverfahren werden von der RAG-Tochter RAG Montan Immobilien GmbH schrittweise bis 2035 beendet. Innerhalb der nächsten 15 Jahre werden die Halden Haniel (Bottrop), Kanalband – Haus Aden (Bergkamen), Brinkfortsheide (Marl), Lohberg Nord Erweiterung (Hünxe), Sundern (Hamm), Radbod (Hamm), Scholven (Gelsenkirchen), Kohlenhuck (Moers), Graf Moltke 1 (Gladbeck), Wehofen Ost (Dinslaken/Duisburg) sowie Rossenray (Kamp-Lintfort) Stück für Stück an den RVR übergeben.

„Mit der Übergabe der Halden an den RVR spart die RAG Unterhaltungskosten ein. Einen Teil dieser Einsparungen können wir so für einen Zeitraum von zwanzig Jahren zu den Unterhaltungskosten des RVR beisteuern. Damit leisten wir einen wichtigen Beitrag für die Transformation im Ruhrgebiet und zur künftigen öffentlichen Nutzung der Halden“, so Michael Kalthoff, Vorstand Finanzen bei der RAG.

Der Bewirtschaftungssaufwand für Pflege von Landschaft und Wegesystemen beträgt für 20 Halden rd. 1,4 Mio. € jährlich. Die RAG wird sich zur Hälfte an dem Pflegeaufwand beteiligen. Der RVR hat bereits im Vorfeld durch externe Planungsbüros prüfen lassen, ob und wie die Landschaftsbauwerke für Tourismus, Freizeit und Erholung genutzt werden können. Ergebnis des Nutzungskonzepts ist, dass neun Bergehalden mit einer Gesamtfläche von 742 ha wegen ihrer Standortqualitäten für den Ausbau touristischer Angebote geeignet sind.

Zu den neun touristisch bedeutsamen Halden zählen Kohlenhuck, Lohberg Nord, Haniel, Mottbruch, Scholven, Rungenberg, Brinkfortsheide, Haus Aden 2 sowie Humbert. Haus Aden 2, Lohberg Nord, Mottbruch und Brinkfortsheide kommen zudem als Standorte der Internationalen Gartenausstellung (IGA Metropole Ruhr 2027) in Betracht. Die anderen elf Halden werden die grüne Freizeit- und Erholungsinfrastruktur der Metropole Ruhr erweitern und ökologisch aufwerten. Auf sechs Halden wurden bereits Anlagen zur Energieerzeugung installiert, weitere kommen potentiell als zusätzliche Standorte für Windkraft- oder Solaranlagen in Betracht.

Der Investitionsaufwand für die Qualifizierung der Halden wurde von den Gutachtern des Nutzungskonzepts auf rd. 50.4 Mio. € geschätzt. Der RVR wird versuchen, hierfür Fördermittel zu akquirieren.

Der RVR ist Eigentümer von bislang 37 Bergehalden. Viele von ihnen wurden gezielt als weithin sichtbare Landmarken in Szene gesetzt. Kunstobjekte haben sie zu Wahrzeichen für das neue Ruhrgebiet gemacht. Gleichzeitig wurden sie zu attraktiven Arealen für Tourismus, Erholung, Freizeit und Sport. (RAG/Si.)

Online_Abonnement