Grubenwasser Geothermie – Fraunhofer IEG und Technische Hochschule Georg Agricola bündeln Kräfte
Bezahlbare und verlässliche Wärme für Haushalte, Kommunen und Unternehmen: Grubenwasser könnte sie liefern. Bergbauregionen wie das Ruhrgebiet könnten so aus Ewigkeitslasten einen ewigen Nutzen ziehen. Ihre angewandte Forschung dahin wollen Fraunhofer IEG und das Forschungszentrum Nachbergbau der Technischen Hochschule Georg Agricola (FZN) weiter verzahnen. Die Partner wollen Grubenwasser als Wärmequelle entwickeln, Projekte vorbereiten sowie Nachwuchskräfte fördern und unterschrieben nun ein entsprechendes Memorandum of Understanding.
»Ehemalige Bergbau-Infrastrukturen können für die Wärmewende einen relevanten Beitrag liefern. Zusammen mit dem Forschungszentrum Nachbergbau wollen wir angewandt forschen und aus wissenschaftlichen Erkenntnissen konkrete Lösungen für die Praxis entwickeln. Gerade Grubenwasser bietet die Chance, vorhandene Strukturen neu zu denken und für eine zukunftsfeste Wärmeversorgung zu erschließen«, sagt Dr. Frank Sachse, Leiter Innovation und Transfer am Fraunhofer IEG.
Die Partner wollen insbesondere untersuchen, wie sich Strukturen aus der Zeit des Bergbaus wirksam für die Energiewende nachnutzen lassen. Zum Beispiel mit Grubenwasser gefüllte Zechen, die als Quelle oder Speicher für Wärme- bzw. Kälte dienen können. Die Zusammenarbeit berücksichtigt neben technischen Fragen auch ökologische, rechtliche und wirtschaftliche Aspekte.
Das Fraunhofer IEG bringt seine anwendungsnahe Forschung zur Transformation von Energiesystemen ein. Dazu zählen Sektorkopplung, Wärmepumpen und nicht zuletzt Geotechnologien. Das FZN ergänzt diese Kompetenzen mit Forschung und Lehre zum Nachbergbau. Es beschäftigt sich unter anderem mit Wasser, Umweltbeobachtung und der Entwicklung ehemaliger Industrieregionen.
»Die Zusammenarbeit verbindet komplementäre Stärken: Die Hochschule verfügt über exzellente Kompetenzen in der Ausbildung und Forschung rund um Bergbau, Nachbergbau und Georessourcen, während das Fraunhofer IEG darauf spezialisiert ist, neue Technologien gemeinsam mit Wirtschaft und öffentlicher Hand in die Anwendung zu bringen. Dadurch können Forschungsergebnisse deutlich schneller in die Praxis überführt werden«, erläutert Dr. Florian Hahn, Leiter des Kompetenzzentrums Bergbaufolgenutzung am Fraunhofer IEG.
Die Partner wollen nun gemeinsame Forschungs- und Innovations-Projekte anstoßen. Aus den Ergebnissen der Zusammenarbeit können Leitfäden oder Standards zur Grubenwassergeothermie entstehen. Kommunen, Energieversorger und weitere Akteure in den ehemaligen Bergbauregionen Deutschlands können langfristig von Lösungen profitieren, die vorhandene Infrastruktur mit neuen Aufgaben für die Energieversorgung verbinden. Junge Fachkräfte sollen durch Abschlussarbeiten, Praktika, Lehre und Exkursionen früh an praxisnahe Fragen herangeführt werden.
Für das Ruhrgebiet und alle ehemaligen Bergbauregionen ist dies eine große Chance. Die Regionen verfügen über einzigartige Erfahrungen und Infrastrukturen aus dem Bergbau, die heute für die Energiewende genutzt werden können. Gemeinsam können Forschung Energieversorger innovative Lösungen entwickeln, die den Strukturwandel aktiv gestalten, neue Wertschöpfung schaffen und die Regionen Standorte für Energieinfrastrukturen und Geotechnologien stärken. (Fraunhofer IEG/MRG)

